Islamismus in Deutschland - Eine offene Diskussion

Von
Katja Adler
6.4.2026
2 min

Gut 100 Gäste, ausgewiesene Expertinnen und eine sachliche Debatte über Islamismus in Deutschland - das war unsere Veranstaltung in Oberursel.

Prof. Susanne Schröter vermittelte wissenschaftliche Grundlagen und ordnete sie in die aktuelle gesellschaftliche Lage ein. 

Gülden Hennemann blickte auf konkrete Probleme in der Praxis. 

Ich selbst moderierte die Veranstaltung und beleuchtete die politische Dimension: Was muss passieren – und warum passiert seit Jahrzehnten so wenig?

Denn das ist der Kern: Studien zu islamistischen Einstellungen in Deutschland gibt es seit 1997. Mit Befunden, Warnungen und Handlungsempfehlungen. Und dennoch erleben wir politische Lähmung, gesellschaftliches Schweigen und kaum Konsequenzen.

Warum fällt es gerade in Deutschland oft so schwer, Probleme klar zu benennen, wenn sie mit islamistischen oder patriarchalen Strukturen verbunden sind? 

Sind wir, ist die Politik und die Gesellschaft zu tolerant? Wird bei Kooperationen mit Islamverbänden zum Beispiel zu wenig hingeschaut, wer wirklich dahinter steht? Geben wir unsere Werte im Namen der Freiheit zu schnell preis?  

Ein wesentlicher Grund hat sich wie von selbst geliefert: Ein Teilnehmer der Veranstaltung – Mitglied einer muslimischen Organisation – beschreibt auf LinkedIn diese wissenschaftlich fundierte und sachliche Islamismus-Debatte als Hetze, die Gewalt schürt, und fragt, ob damit „Stimmen am rechten Rand” gefischt werden sollen.

Das ist leider kein Einzelfall.

Man darf und kann unterschiedlicher Meinung sein. Doch wird jede ernsthafte Auseinandersetzung mit Islamismus nahezu reflexartig als Islamfeindlichkeit geframt. Wer kritisiert, wird delegitimiert. Wer fragt, wird eingeschüchtert. Wer forscht, wird in die rechte Ecke gestellt. Und viel zu viele bestätigen das durch ihre Zustimmung.  

Solange dieses Framing funktioniert, wird auch weiterhin nichts bis wenig passieren.

Dabei braucht es eine bessere Datenlage, eine neue Ausrichtung der Prävention auch gegen islamistische Ideologie und deren Gesellschaftsbild, gegen Antisemitismus, Scharia-Vorrang und die Ablehnung der säkularen Demokratie. In den Schulen müssen die Lehrer gestärkt werden und handlungsfähig sein, wenn Schüler Demokratie und Frauenrechte, Israel oder die Religionsfreiheit ablehnen. Kooperationen mit Islamverbänden müssen überprüft, Frauen und liberale Muslime geschützt und Auslandsfinanzierungen überprüft werden. Und der Staat muss bei Hasspredigt, Gewaltaufrufen, Paralleljustiz, Antisemitismus sichtbar handeln. 

Eine liberale Gesellschaft muss kritikfähig bleiben. Toleranz bedeutet auch, die eigene freiheitliche Ordnung verteidigen zu können. 

Und genau deshalb muss die Debatte weiter geführt werden. Offen und faktenbasiert.